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27.12.2017

Jeder Stein ein kleines Kunstwerk

Der Wasserturm gilt als deutschlandweit herausragendes technisches Denkmal.
Die Einrüstung und Abplanung des Turmes erfolgt im Frühjahr 2018.
Der Wasserturm Rostock gehört zu den bedeutendsten technischen Denkmälern der Hansestadt Rostock. Jedoch ist seine Fassade stark verschlissen. Der Grund: Seit Jahren dringt Feuchtigkeit in das Mauerwerk und friert das Wahrzeichen in Kälteperioden kaputt. Um die historisch wertvolle Bausubstanz zu retten, hat der Eigenbetrieb „Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hansestadt Rostock“ (KOE) die Sanierungsplanungen eingeleitet. „Wir haben die Bestätigung erhalten, dass rund 1,8 Millionen Euro Landesfördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz-Ost 2017 für den Wasserturm zur Verfügung stehen“, freut sich KOE-Betriebsleiterin Sigrid Hecht. Mit dem Geld soll in den kommenden zwei Jahren die äußere Hülle des Bauwerks repariert werden. „Die Prozedur ist sehr aufwändig. Die Mauerwerkflächen sind durch reich profilierte Friese und durch Muster aus glasierten Steinen gegliedert. Jeder Stein ist einzigartig und muss auf Schäden untersucht werden“, verdeutlicht Sigrid Hecht. Übernehmen wird diese Aufgabe der Rostocker Architekt Dr. Rainer Grebin, der mit der Sanierung von Denkmälern bestens vertraut ist. So hat sein Büro unter anderem das Universitätshauptgebäude und das Betriebsgebäude der Eurawasser Nord GmbH (ehemaliges Wasserwerk) instandgesetzt. Nachdem der Turm im Frühjahr 2018 mit einem beheizbaren Gerüst ummantelt und durch eine Plane vor weiteren Wassereintritten geschützt wird, kann die Bestandaufnahme der historischen Steine durchgeführt werden. „Wir rechnen damit, dass etwa 50 Steinformate verwendet wurden. Für jedes dieser Formate wird eine 3D-Zeichnung angefertigt, anhand derer die Steine später individuell nachgebrannt werden können“, erklärt die KOE-Chefin.
Zwischen den Jahren 1991 und 1995 wurde der Wasserturm schon einmal instand gesetzt. In diesem Kontext wurden auch Geschossdecken, ein Treppenhaus sowie ein Aufzug eingebaut. Nun muss die gesamte Gebäudehülle nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert werden. Dazu gehören die Trockenlegung des Fundamentes, die vollständige Bauwerksabdichtung, der Austausch und die Eindichtung der Fenster und Außentüren sowie die Erneuerung der Dachbeläge. Die Projektumsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachämtern. Die vorläufig ermittelten Gesamtbaukosten liegen bei rund 3,2 Millionen Euro. „Die genauen Baukosten und die Dauer der Sanierung können jedoch erst nach einem genauen Aufmaß der Schädigungen ermittelt werden“, erklärt KOE-Betriebsleiterin Sigrid Hecht.
Der Wasserturm wurde 1903 auf Grundlage der Planungen des Stadtbauarchitekten Gustav Dehn in der damals üblichen Mauerwerksbauweise errichtet und nimmt Bezug auf das von Gottlieb Ludwig Möckel entworfene Ständehaus. Zugleich erinnert er gestalterisch an den Zwingerbau von 1526/32, der bis 1849 unmittelbar vor dem Steintor stand. Mit seinen sieben Türmchen und den sechs Zwischengiebeln ist der Wasserturm ein repräsentatives Beispiel für neogotische Backsteinkunst.

Bis 1959 war der Wasserturm in Betrieb. Der Stahlbehälter im Inneren mit einem Durchmesser von 16 Metern konnte ein Volumen von 800 Kubikmeter Wasser fassen. Das Bauwerk galt zusammen mit dem 1894 errichteten Wasserwerk als wichtiger Bestandteil zur Wasserversorgung innerhalb Rostocks. Heute dient er als Depot für das Kulturhistorische Museum. Fehlender Tageslichteinfall, das gleichbleibende Klima im Innenraum sowie ein hoher Grad an Einbruchsicherheit bieten ideale Bedingungen für empfindliche Kunstgüter.

Wasserturm, Blücherstraße 43, 18055 Rostock

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